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Vater werden - Interview mit Philipp Langstetter

 

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Heute werden wir über das Thema „Vater werden, wie fühlt sich das für einen Mann an“, was geht im Mann vor, mit einem Überraschungsgast reden. Und zwar mit dem Ingenieur Phillip Langstätter. Es freut mich sehr, dass du hier bist und sehr spontan und bereit für dieses Interview bist.

Wie immer könnt ihr das Interview auch über den Podcast hören:

 

Du wirst Vater. Erzähl mal ein bisschen. Seit wann weißt du, dass du Vater wirst, und was waren so deine ersten Gedanken, die in dir vorgegangen sind?

 

Phillip: Ich glaub da geht es jedem Vater ein bisschen gleich. Wir haben gemerkt, dass sich bei meiner, damals Freundin, jetzt Frau etwas verändert. Die Tage sind ausgeblieben und ich habe mir Anfangs nichts dabei gedacht. Wird vielleicht ein Stressthema sein, weil das öfter schon mal war. Und naja zur Sicherheit macht man einen Schwangerschaftstest. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, ich bin am Abend im Wohnzimmer gesessen und hab „Bing Bang Theory“ im Fernsehen geschaut und meine Freundin hat inzwischen den Schwangerschaftstest gemacht. Dann kommt sie rein und sagt: „Ich glaube unsere Tage zu zweit sind gezählt.“ Da fallt einem zuerst einmal mal die Kinnlade hinunter.

 

Gut wir sind schon seit 9 Jahren ein Paar, wohnen zusammen und haben vor kurzem auch geheiratet, nicht wegen des Kindes, sondern aus Liebe, so wie es sich gehört. Und irgendwie haben wir schon gesagt, ein Kind wäre jetzt in den nächsten 2, 3 Jahren nicht schlecht. Also bereiten wir uns mal langsam vor.

 

Dass es so schnell kommt, ja das war dann schon eine Überraschung. Und man ist zwiegespalten. Einerseits denkt man sich Oh Gott, was passiert jetzt? Andererseits Juhu, ich freu mich drauf. Die ersten Tage waren halt sehr durchwachsen. Man macht sich Gedanken, was verändert sich, was ist jetzt zu tun. Und mit diesem drüber nachdenken kommt dann auch die Freude.

 

Als ich am nächsten Tag für einen Kundentermin nach Wien gefahren bin, ist mir durch den Kopf gegangen: „Ich werde Papa.“ Und das ist mir so durch Mark und Bein gefahren.

Das ist so ein unbeschreibliches Gefühl gewesen. Man hat da auf der Autobahn den Tunnelblick und plötzlich fällt es einem ein, werde Papa! Und man sitzt dann im Auto mit Tunnelblick auf der Autobahn und grinst wie ein Hutschpferd und versteht plötzlich die ganze Welt nicht mehr und ist einfach nur noch glücklich.

 

Und das ist so faszinierend, welche Emotionswelten man da als Mann durchlebt. Ich habe von meinen Eltern schon eine sehr emotionale Bindung und habe gelernt, dass man auch als Mann seine Emotionen frei ausleben darf, aber es ist doch ein Gefühl das man nicht kennt. Es ist ein Glückseligkeitsgefühl gepaart mit einem Unsicherheitsgefühl. Es ist manchmal schön und manchmal beängstigend. Man kann es nicht beschreiben, das muss man selbst erleben.

 

Als Mann ist es grundsätzlich aber am Anfang keine Umstellung oder Veränderung. Ja klar, der Beschützerinstinkt ist sehr stark ausgeprägt für meine Frau, ich schaue einfach mehr, dass es ihr gut geht. Aber sonst kann ich nach wie vor gut schlafen, mir ist nicht schlecht, jedoch fehlt für den Mann ein bisschen der Realitätsbezug. Und daher waren wir beide uns auch von Anfang an einig, dass wir das Geschlecht des Babys wissen möchten, denn wenn man weiß, ob es ein Bub oder Mädchen wird kann das auch helfen, dass es sich realer anfühlt und ich mehr Bezug bekomme. Und es war dann auch so.

 

Rundherum haben sich alle sehr gefreut, als sie erfahren haben, dass wir ein Kind bekommen. Unglaublich wie sehr sich alle gefreut haben, meine Chefin hat sogar geschrien, alle waren ganz aus dem Häuschen. Allerdings ist für mich erst wirklich real geworden, als ich erfahren habe, dass es ein Mädchen wird. Nach diesem Termin am Vormittag bei der Frauenärztin, ich habe mir übrigens nicht nehmen lassen bei allen Terminen dabei zu sein, sind wir danach beide rausgegangen, meine Freundin ist wieder zur Arbeit gefahren, ich auch. Und ich bin dann am Parkplatz gesessen und habe bestimmt eine viertel Stunde geheult. Und ich habe noch nie geheult vor Freude. Naja gut bei der Hochzeit habe ich auch ein bisschen geplärrt.

Und ich habe noch nie Freudentränen gehabt und mir am Anfang gedacht, was ist da los mit mir, ich habe mich gar nicht ausgekannt. 

Also das war wirklich ein starkes Erlebnis für mich als Mann. Das kann man auch keinem erklären. Ich kann nur sagen, es ist ein sehr schönes Gefühl und kann es nur jedem empfehlen das durchzumachen. Man wird in dieser Zeit sehr erwachsen und reift und man macht sich über Sachen Gedanken, von denen man nie gedacht hätte, dass man sich jemals darüber Gedanken machen würde.

 

Barbara: Wie zum Beispiel?

 

Phillip: Zum Beispiel kann meine Frau gut schlafen in der Nacht? Bewegt sich das Baby oft genug? Wie ist der Stuhlgang von der Frau? Solche Sachen. Man wird dann auch sensibel. Wir haben ja leider auch ein kleines Problem gehabt vor 1 Monat, meine Freundin hatte Blutungen und einen Harnwegsinfekt und das ist wirklich schlimm. Es ist ja auch eine psychische Belastung für meine Freundin gewesen. Aber auch für mich, weil ich mitbekommen habe, dass es ihr nicht gut geht. Allerdings schweißen solche Dinge auch ungemein zusammen, wenn man sich über die kleinsten Dinge austauscht und wissen will wie es der Freundin oder dem Baby geht und man immer im regen Austausch miteinander ist. Nebensachen werden plötzlich zur Hauptsache.

 

Zum Thema Beziehung und Zusammenschweißen. Natürlich war für mich als Mann am Anfang die Angst da, dass ich meine Frau nun teilen muss. Jetzt habe ich mit ihr zu zweit 9 Jahre eine sehr schöne Zeit genossen und wir waren gegenseitig die wichtigste Person im Leben des anderen und jetzt kommt da jemand, der könnte mir das streitig machen. Das sind so Unsicherheiten, auch für sie selbst, wird sie eine gute Mutter sein, wie wird sie als Mutter sein, steht das Kind dann über allem, werden wir trotzdem noch eine gute Beziehung führen und alles gemeinsam machen? Im Moment ist das natürlich auch so, ich bin überall eingebunden, aber ich habe dennoch Angst, dass sich das noch verändern könnte. Andererseits ist die Liebe zu meinem Kind schon so groß, dass ich das auf jeden Fall verzeihen würde. Man hat jeden Tag den Gedanken, Kind, Familie, was wird sich ändern? Es ist Angst, es ist Freude, es ist Unsicherheit, allerdings überwiegt die Freude. Jeden Abend, wenn ich von der Arbeit heimkomme, dann greife ich auf den Bauch meiner Frau und rede mit der Kleinen. Das vermisse ich zum Beispiel schon sehr, wenn meine Freundin vielleicht schon schläft, wenn ich später heimkomme. Man merkt dann nämlich, wenn ich meine Hand auflege, dann gibt die Kleine Vollgas. Das sagt auch meine Frau, wenn ich mit ihr rede, dann zuckt sie aus. Und das ist einfach so schön, weil man bereits interagiert. Ich habe letzte Woche auch zum ersten Mal den Herzschlag des Babys gehört, mit Ohr am Bauch also nicht mit Ultraschall und das ist schon etwas sehr Besonderes.

 

Barbara: Im wievielten Monat ist deine Frau jetzt?

 

Philipp: Letzten Dienstag war es die 30. Woche. Wir haben im Juni Termin und sind sicher, dass alles gut geht. Es wird eine natürliche Geburt.

 

Barbara: Sehr schön. Gibt es irgendwas, was du dir wünschen würdest, wenn deine Tochter auf der Welt ist? Also nicht nur in Bezug auf die Beziehung zu deiner Tochter, sondern auch für eure gemeinsame Beziehung mit deiner Frau, im Ablauf miteinander?

 

Phillip: Im Prinzip wünsche ich mir, dass die Beziehung weiterhin so gut ist und bleibt, wie sie jetzt ist. Das ist das einzige was wichtig ist, wenn wir zu dritt vielleicht auch zu viert sind, mal schauen. Ich kenne meine Frau sehr gut, ich weiß wir können uns vertrauen, sind ein Team und wir stehen das gemeinsam durch und dass das Baby kein Keil zwischen uns beiden ist. Das ist eine gemeinsame Weiterentwicklung. Das ist der Wunsch, von der emotionalen Ebene soll es so bleiben wie es ist, denn klarer Weise wird sich ja auch einiges ändern.

 

Babara: Ich bin gespannt, wie es sein wird, wenn das Kind dann da ist. Ich kann mich erinnern all meine Brüder, die Väter wurden, waren auch mächtig stolz und genießen ihre Vaterrolle und das alles, trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen. Sie sind voller Stolz und es ist so lieb zu sehen, wie sie Väter sind und alles meistern.

 

Phillip: Ich bin froh, dass ich in der heutigen Zeit Vater sein darf, das hat auch ein Freund gesagt, denn man kann sich in der heutigen Zeit bestimmt viel mehr einbinden als Papa. Wie mein Papa und mein Großvater groß geworden sind, da waren die Mütter für die Kinder Erziehung zuständig und die Väter für die Arbeit, das finanzielle, also das Geld reibringen. Kinder waren da kein Thema.

Das finde ich jetzt schon super, dass sich das etabliert hat, dass auch die Männer Väter sein dürfen und mitmachen dürfen. Es geht um das „da sein dürfen“.

 

Barbara: Hast du dir überlegt, dass du das Angebot der Vaterkarenz nutzen wirst?

 

Phillip: Geht beruflich bedingt leider nicht. Aber wenn das Kind dann da ist, habe ich mir mit meinem Chef ausgemacht, 3 Wochen Urlaub zu nehmen. Ich werde versuchen die Arbeit zu reduzieren und Kollegen bitten mich in der ersten Zeit zu unterstützen und mir Arbeit ab zu nehmen.

 

Barbara: Es ist schön auch einmal von der Männerseite zu hören, wie es dem Mann geht, wenn er erfährt, dass er Vater wird. Es gibt ja auch Männer, für die eine Geburt dann noch einmal ein Realitätsflash ist. Glaubst du hat die Mutter da vielleicht einen Beziehungsvorteil? Allerdings hast du ja erzählt, dass deine Tochter bereits auf dich reagiert, obwohl du sie ja nicht in deinem Körper hattest? Hast du Angst, dass wenn das Kind auf die Welt kommt, du vielleicht in dieser Beziehung etwas nachhinkst?

 

Phillip: Angst nicht. Die Mutter ist einfach überlebenswichtig für das Kind. Sie ist Kontaktperson, hat das Kind 9 Monate im Bauch getragen und hat einfach eine größere emotionale Bindung. Sie ist Nahrungsmittelgeber. Das ist mir bewusst, dass die Mutter die Hauptrolle für das Kind spielt in der ersten Zeit. Auch bei Freunden, die selbst Väter geworden sind, habe ich gesehen, dass die Männer auch schon nach 6 Monaten eine sehr gute Bindung zu dem Kind aufgebaut haben. Ich denke das wichtigste für das Kind ist nun erstmal auf der Welt anzukommen, zu überleben und es wird eben dann ein bisschen dauern, bis der Papa eine wichtige Rolle spielen wird. Aber ich freue mich sehr darauf!

 

Barbara: Danke für das Gespräch, wir hoffen das heutige Interview hat euch Lesern neue Einblicke gewährt. Es würde mich freuen, wenn Männer zugehört haben, die gerade Väter werden oder bereits Väter geworden sind, dass ihr uns vielleicht eine kurze Nachricht schreibt, eure Erfahrungen mit uns teilt und uns erzählt wie es ist Vater zu werden. Die Männer sind in dieser Welt ja Gott sei Dank die andere Hälfte der Menschheit und die Männer dürfen auch mitsprechen, wenn es um die Erziehung aller Menschen geht im Sinne des gesamten Menschheitsgedankens. In diesem Sinn freut euch auf eure Kinder!

 

Eure Rosa Blume

 

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