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Fehlgeburt - Selbsthilfegruppe Regenbogen 4

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Heute geht es weiter mit dem Interview mit der Selbsthilfegruppe Regenbogen. Das ist nun auch schon der letzte Teil, der vierte Teil von diesem längeren Interview. Viel Freude beim Lesen, trotz sensibleren Thema!

 

Es gibt in einer Familie ja nicht immer nur Mutter und Vater, es gibt ja auch andere Familienmitglieder. Welche Familiengruppen gibt es denn noch, die wirklich in dieser Trauerarbeit sind?

 

SHG Regenbogen: Man denkt ganz oft an die betroffene Mutter, die das Kind verloren hat, oder in zweiter Linie den betroffenen Vater, aber wer oft vergessen wird und wen man nicht bedenkt, sind oft die lebenden Kinder, die es bereits vor dem Verlust gegeben hat, oder die Folgekinder. Weil auch die lebenden Kinder, die es schon vor dem Verlust gegeben hat, trauern auch. Es kommt natürlich darauf an, wie alt das Kind ist und auf welchen Entwicklungsstand das Kind ist, wie das Kind trauert aber zum Beispiel in den ersten 3 Lebensjahren des Kindes spürt das Kind, dass Mutter und Vater trauern, spüren auch den Verlust, können es aber nicht zuordnen, wieso ist jetzt Mama und Papa traurig. Das fängt dann auch erst ab dem 3. Lebensjahr an, dass sie mit der Sache etwas anfangen können und zuordnen können, wieso Mama und Papa jetzt traurig sind. Und hier werden diese Kinder oft vergessen und grad da ist es zum Beispiel wichtig, dass man die Kinder auch für die Beerdigung miteinbezieht, dass sie für das Geschwisterchen etwas zeichnen können oder den Sarg oder Urne bemalen können. Da gibt es verschiedene kreative Möglichkeiten, wie man die Kinder da mit ins Boot holen kann.  Die Trauer mit einem Bilderbuch zum Beispiel aufarbeiten können, hier gibt es bereits einiges für jedes Alter entsprechend auf dem Markt. Das Thema bei den Folgekindern ist: Was projizieren zum Beispiel die Eltern auf das Folgekind? Das ist auch eine sehr spannende Geschichte, wo ich mich gerade mehr einarbeiten möchte und als Schwerpunkt aufnehmen möchte.

 

Barbara:  Das heißt ihr habt also verschiedene Arten von Selbsthilfegruppen, eben für Pärchen, aber auch für Männer…, oder?

 

SHG Regenbogen: Die offizielle Selbsthilfegruppe, die wir als Verein betreiben ist offen für alle. Da kommen Paare hin, da können auch Frauen einzeln hinkommen oder theoretisch auch Männer einzeln, und die von Claudia erwähnten Männertreffs, die sind noch nicht als Selbsthilfegruppe organisiert. Wir haben einmal im Monat dieses Angebot und daraus ergeben sich manchmal private Verbindungen oder teilweise kennen sich die Frauen untereinander bereits, weil sie gerade im Zentrum Nanaya den Rückbildungskurs besuchen und die treffen sich dann vielleicht auch einmal privat. Vor kurzer Zeit gab es zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe für Folgeschwangerschaften, aber das hat sich leider rasch wieder aufgelöst, weil die Leitern dann selbst wieder schwanger geworden ist und sich keine Nachfolgerin gefunden hat. Was es immer gibt, ist jede Form von Einzelberatung.

 

Barbara: Die Kinder sind dann auch in der gesamten Selbsthilfegruppe oder beginnt ihr da eine eigene Gruppe für die Kinder mit den Eltern?

 

SHG Regenbogen: Für die Zukunft gesehen, wäre das bestimmt ein Projekt, das ich mir vorstellen kann. Ich mache momentan die Ausbildung zur Trauerbegleitung bzw. noch zusätzlich eine Ausbildung zur Kindertrauer und möchte mich diesem Thema immer mehr annähern und spezialisieren.

 

Barbara: Wie oft kommt ihr da in der Selbsthilfegruppe zusammen? In welchem Intervall?

 

SHG Regenbogen: Einmal im Monat, jeden ersten oder zweiten Mittwoch im Monat ist unser Selbsthilfegruppentreffen im Zentrum Nanaya. Wir schauen natürlich, dass wir an diesen Tagen das Zentrum auch für uns haben.

 

Barbara: Was ich gesehen habe, sind diese Einschlagtücher, die ihr auch selbst produziert. Was ist das genau? 

 

SHG Regenbogen: Es gibt Nähgruppen, die uns Einschlagdecken oder Tücher nähen, stricken oder häkeln. Und wir verteilen das an die Krankenhäuser und Geburtenstationen in Wien, mit denen wir ohnedies in einem Austausch stehen. Das wird den Eltern angeboten, wenn sie eben einen Verlust erlitten haben. Es geht darum den Kind etwas Schönes anzuziehen, es liebevoll einzuwickeln und zu verabschieden. Wenn es sich um frühere Verluste in der Schwangerschaft handelt, dann sind ja die Babys noch viel zu klein, dass man ihnen normale Babykleidung anzieht, und von dem her ist das das Angebot. Man ist ja sowieso mit allem so überfordert, dass alles was es an Angebot im Krankenhaus gibt, dass auch immer gerne angenommen wird. Sei es jetzt die Babykleidung, da kriegen wir manchmal Einschlagdecken, die aus demselben Stoff noch ein kleines Sternchen genäht haben oder wir haben jetzt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, die die sogenannten Sternenbärchen näht. Das sind kleine mit Watte gefüllte Bärchen die als Seelentröster zum Einsatz kommen. Dass man etwas hat. Man muss sich vorstellen, man geht ja mit leeren Händen nach Hause. Das ist ja das, womit niemand rechnet und wirklich auch sehr hart ist. Da will man den Eltern etwas geben. Die Einschlagtücher sind eine Spende und ein kleines Geschenk. Man kann dem Kind eine Würde geben. Die Krankenhäuser waren früher damit ja auch überfordert und haben die Babys vielleicht in ein altes Handtuch gewickelt oder haben Mullbinden bzw. was auch immer genommen. Das sollte einfach alles mehr Würde bekommen. Wir sind mit diesen Projekten nicht allein, das machen auch diese Gruppen in Deutschland. Auch in Österreich gibt es verschiedene Nähgruppen, wobei die Initiative meist aus der unmittelbaren Betroffenheit entsteht. So entwickelt sich das dann und ist eine ganz schöne Sache.

 

Barbara: Das klingt wirklich sehr liebevoll. Ich glaube jemanden einen würdigen Abschied zu garantieren oder zu ermöglichen finden wir gerade auch als Österreichische Lebensbewegung sehr wichtig, weil uns die Würde des Menschen grundsätzlich am Herzen liegt. Nun würde mich noch interessieren, was es sonst noch für Angebote gibt/gäbe. Wir wissen von der Selbsthilfegruppe, und es gibt natürlich Einzelberatungen.

 

SHG Regenbogen: Wir bieten jetzt zweimal im Jahr kreative Bastelabende für Sterneneltern, wo wir uns im Lokal treffen und zum Beispiel Kerzen gestalten oder Blumengestecke fürs Grab machen, oder Erinnerungskistchen gestalten. Unser Sprichwort ist, jeder trauert anders und braucht daher auch etwas Anderes. Auch der kreative Zugang hilft oft sehr viel das zu bewältigen und zu verarbeiten. Was wir jetzt auch gemacht haben, ist zweimal ein Trauer-Tanzabend, wo Trauertänze gemacht werden, und wo wir auch eine Trauer Pädagogin eingeladen haben, die uns das gezeigt hat. Was wir auch anbieten, ist zum Beispiel eine Gedenkmesse einmal im Jahr, am 28. Dezember, am Tag der unschuldigen Kinder. Das ist eine klassische katholische Gedenkmesse, ist aber auch für alle anderen Konfessionen. Wo wir auch für Betroffene vertreten sind, ist, dieses Tabu-Thema etwas aufzubrechen. Wir versuchen auch immer mehr in die Öffentlichkeit zu gehen und sind zum Beispiel auch bei Messen, auch bei der Femvital, bei der Frauengesundheitsmesse vertreten wo wir das Thema bewusst in die Öffentlichkeit bringen wollen und wo auch viele dann kommen, weniger dann selbst betroffen aber betroffene Sternengroßeltern oder Freunde von Betroffenen und sagen, ich möchte meiner Freundin gerne helfen, was kann ich denn für sie tun, wie gehe ich an das Thema heran?

 

Barbara: Das ist sehr schön. Wo findet man euch, wenn man euch sucht?

 

SHG Regenbogen: Wir haben im 10. Bezirk ein Vereinslokal: Verein Regenbogen, SHG Regenbogen Wien, Antonsplatz 26/4, 1100 Wien. Da kann man uns finden. Da gibt es den Freitagnachmittag wo die Claudia das immer betreut und wo das Lokal offensteht. Außerdem haben wir eine Webseite:  http://www.shg-regenbogen.at/contao_340/index.php/home.html und wir sind auch auf Facebook. Wir haben ein Vereinshandy und das ist auch ein sehr wichtiges Tool ist, weil oft ist die Hemmschwelle geringer jemanden anzurufen als gleich in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Diese Hotline vom Vereinshandy wird abwechselnd von uns betreut. Hier steht man bürokratischen Fragen gegenüber, zum Beispiel unmittelbar betroffene Eltern, die jetzt wissen wollen, was und wie muss ich das jetzt machen, Bestattung wie was usw. wobei es hier auch Unterschiede gibt. Wir betreuen einmal im Jahr die Sammelbestattung am Wiener Zentralfriedhof, was wichtig ist, und der ganzen Feier etwas Form gibt, weil es schwierig ist, da sich die Eltern, die hinkommen ja vorher nicht kennen. Jemand von uns ist dort und wir geben Impulse und Ideen und begleiten das Ganze. Unsere Selbsthilfegruppe ist ein ganz wichtiger Pfeiler und auch die Zusammenarbeit mit den Geburtenstationen. Es gibt auf den Stationen der Wiener Spitäler ein Informationsmaterial von uns, wir haben eine Informationsmappe auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Russisch und Kroatisch. Die liegt dort auf und ist eine Kopiervorlage. Die Hebammen können im Falle des Falles dann auf diese Mappe zurückgreifen und kopieren das den Eltern. Es ist von uns ein Elternbrief drinnen, dass sie sich Zeit nehmen sollen, dass sie Fotos machen sollen, dass sie keine Angst vor Berührungen haben sollen usw. Dann auch noch bürokratische Themen, Namensrecht, Bestattungsrecht, wie lange darf die betroffene Mutter zu Hause bleiben, das sind alles so Themen, wenn man da so steht vor einem Berg und voller Schmerz ist, total geschockt, dann ist es einfach gut, wenn man so eine Anleitung hat. Das wäre auch noch etwas was wir anbieten.

 

Barbara:  Ich danke euch beiden recht herzlich für das Interview und wünsche euch auch viel Erfolg mit der Kindertrauer, wenn man das so nennen kann. Und ich wünsche euch, dass ihr noch vielen Frauen, Vätern und Kindern helft und helfen könnt und auch weiteren Familienmitgliedern in der Trauerarbeit nach einer stillen Geburt und damit verabschiede ich euch liebe Leser.

 

Einen wunderschönen Tag, trotz des traurigen Themas!

 

Eure Rosa Blume

 

 

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