· 

Fehlgeburt - Selbsthilfegruppe Regenbogen Teil 1

 

Liebe Leserinnen und Leser!

 

 

Heute ist das Thema etwas sensibler. Ich habe nämlich bei mir den Verein „Regenbogen“ und bei mir zu Gast als Interviewpartner Claudia Weinert und Julia Sorko.

 

Liebe Claudia, liebe Julia, wollt ihr euch vielleicht mal kurz vorstellen?

Claudia: Ja, mein Name ist Claudia Weinert, ich bin ehrenamtliche Mitarbeiterin vom Verein „Regenbogen“. Wir betreuen und unterstützen Eltern, die ihre Kinder während der Schwangerschaft oder nach der Geburt verloren haben.

Julia: Mein Name ist Julia Sorko und ich bin auch ehrenamtliche Mitarbeiterin im Verein „Regenbogen“ und so wie die Claudia  und alle die in diesem Verein tätig sind, betroffene Sterneneltern. Das heißt, wir haben durch Fehlgeburt, durch stille Geburt oder rund um die Geburt ein oder mehrere Kinder verloren.

 

Barbara: Das ist natürlich sehr tragisch und wir haben bei uns im Verein in der Beratung auch immer wieder mit Frauen zu tun, die einen Verlust während der Geburt oder während der Schwangerschaft erlitten haben. Das ist genau der Grund, warum ich euch eingeladen habe, kontaktiert habe, gebeten habe, dass ihr für ein Interview bereitsteht. Vielleicht wäre es ganz gut, mal ein bisschen über diese 3 Themen zu sprechen, auch ein bisschen separat, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele nichts mit den Begriffen Sternenkind, stille Geburt, Fehlgeburt, Tod während, vor oder nach der Geburt anfangen können. Darum fangen wir mal damit an: Was ist denn überhaupt ein Sternenkind?

 


Claudia: Ja, ein Sternenkind ist an und für sich eine gängige Bezeichnung für ein Kind, das eben während der Schwangerschaft stirbt, durch Fehlgeburt oder Totgeburt. Fehlgeburt und Totgeburt unterscheiden sich dadurch, in welcher Woche man das Kind verloren hat, welches Gewicht und Größe es schon gehabt hat und ob es bei der Geburt, oder eben bei der Entbindung schon Lebenszeichen gezeigt hat oder nicht.

Julia: Es ist eine – ja – schöne Beschreibung, weil da geht es auch um das Symbol des Sterns, das man am Himmel sieht. Bei sehr vielen Eltern ist ein ganz beliebtes Buch, „der kleine Prinz“ von Saint-Exupéry und da sind sehr viele Zitate drinnen, wo es eben auch um die Sterne geht und ein Stern ist etwas, was für einen leuchtet, was aber weit weg ist und darum hat sich dieser Begriff „Sternenkind“ im deutschsprachigen Raum eben auch etabliert.

 

 

 

Barbara: Ihr habt ja vorher geredet von den verschiedenen Arten und Weisen wie man ein Kind während einer Schwangerschaft verlieren kann. Die natürlichen sind eben die stille Geburt, Fehlgeburt oder eben kurz vor, während oder ein paar Tage nach der Geburt. Nun würde mich interessieren: Ihr seid ja selbst auch betroffen von dem Thema. Ihr macht das ja nicht einfach nur, weil ihr euch gedacht habt, Freunde von euch sind betroffen und ihr möchtet da einfach helfen, sondern ihr habt ja selbst einen Leidensweg hinter euch. Claudia, darf ich vielleicht mit dir anfangen? Wärst du bereit, ein bisschen deine persönliche Geschichte zu erzählen?

Claudia: Ja, also ich bin an und für sich eine Sternenmama von 3 Sternenkindern. Ich habe mein erstes Kind vor mittlerweile 12 Jahren verloren, im 5. Schwangerschaftsmonat. Es war ein Wunschkind, ich habe also mit meinem damaligen Lebensgefährten auch geplant, schwanger zu werden und bin auch relativ schnell schwanger geworden. Ich hatte eine sehr angenehme Schwangerschaft, eine sehr glückliche Schwangerschaft und habe mir aber dadurch, dass ich damals regelmäßig ein Schwimmbad besucht habe, mir eine schwere Blasenentzündung geholt, die Wehen- auslösend war. Ich bin dann ins Spital gefahren, als die ersten Beschwerden gekommen sind, sie haben mich dann beruhigt, mir Medikamente gegeben und mich wieder nach Hause geschickt. Ich bin aber am nächsten Tag mit leichten Blutungen wieder ins Spital gefahren und obwohl die Ärzte sehr bemüht waren, auch mich zu unterstützen, konnte man die Wehen dann in dieser Woche nicht mehr stoppen. Und ich habe meinen Sohn halb zur Welt gebracht kann man sagen, also nach der Hälfte haben die Wehen aufgehört, man konnte die Wehen dann auch nicht mehr auslösen und man hat dann meinen Sohn herausgehoben.

Barbara: Die Erfahrung ist natürlich sehr traumatisierend.

Claudia: Ja. Ich hatte Gott sei Dank viel Unterstützung durch Familie, Freunde und meinen Lebensgefährten und habe auch sehr viel Unterstützung bekommen durch die Selbsthilfegruppe „Regenbogen“. Und ich hatte dann Jahre später, mittlerweile vor zwei und vor drei Jahren, zwei sehr frühe Fehlgeburten in der 5. und 6. Schwangerschaftswoche.

 

Barbara: Das ist natürlich sehr heftig. Wie bist du selbst damals mit dem Verlust umgegangen bei der ersten Fehlgeburt?

 

Claudia: Ich bin in den ersten Wochen in ein schwarzes Loch gefallen. Mir ist es schwergefallen, den ganz normalen Alltag zu bewältigen. Ich musste sehr viel über die Situation reden, das war mein Zugang, das war für manche in der Familie und im Freundeskreis nicht einfach, weil ich immer wieder die Geschichte auch erzählen musste. Es war auch mein Zugang, meinem Kind zum Beispiel auch einen Brief zu schreiben. Es war damals auch schon klar, dass mein Sohn bei der Sammelbestattung im Wiener Zentralfriedhof bestattet werden wird. Ich hatte also 2 Monate, um mir Gedanken darüber zu machen, was möchte ich für die Beerdigung gestalten, was möchte ich machen und hatte Gott sei Dank eben auch sehr viel Unterstützung von meinem Umfeld, auch durch die Selbsthilfegruppe.
Meine größte Sorge damals kurz vor der Beerdigung war, dass ich keine Sterneneltern kannte, die auch ihre Kinder zu diesem Zeitpunkt beerdigen lassen würden. Ich wollte gerne etwas gestalten, aber wie konnte ich wissen, ob das auch für die anderen bei der Sammelbestattung passen würde? Und da hat mich auch Petra Heinz, die die Selbsthilfegruppe leitet, sehr unterstützt und mir Mut gemacht und mir gesagt, ‚Mach das, was du dir für deinen Sohn wünschst, es wird auch so passen‘.

 

Barbara: Das war der erste Teil des Interviews mit der Selbsthilfegruppe „Regenbogen“ für Fehlgeburt. Ich wünsche euch für heute trotz des sensiblen Themas einen wunderschönen Abend, einen wunderschönen Morgen und einen wunderschönen Tag, wann auch immer ihr diesen Podcast hört.

 

 

Da wir auf Spenden angewiesen sind, würden wir uns sehr freuen, wenn ihr uns mit einer kleinen Spende unterstützen würdet. So helft ihr uns auch die Qualität des Blogs und des Podcasts aufrecht zu erhalten.

 

Wir haben uns auch etwas für unsere monatlichen Unterstützer des Blogs und Podcasts überlegt:

 

5€ - eine eigens entworfene und handsignierte Postkarte 1x/Jahr und unser dankbares Herz.

 

10€ - eine persönliche Botschaft von uns Mitarbeitern im Audioformat 2x/Jahr

 

25€ - eine persönliche Botschaft von uns Mitarbeitern im Videoformat 2x/Jahr

 

50€ - persönlicher Kaffeeplausch 1x/Jahr bzw. Einladung zu einer Veranstaltung.

 

 

 

Vielen Dank!