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* Kann ich die medikamentöse Abtreibung aufhalten? - Interview 1 mit Natalie Beyer-Metzler

 

Liebe Leserinnen und Leser!

 

 

Barbara:  Heute habe ich einen sehr spannenden Interview-Gast, nämlich Frau Natalie Bayer-Metzler. Sie kennt sich besonders gut bei der sogenannten Rückgangsmethode beziehungsweise beim Aufhalten der Abtreibungspille aus. Ich habe schon eine Folge zu diesem Thema gemacht, wo ich ein bisschen darauf eingegangen bin. Das war allerdings sehr oberflächlich. Frau Bayer-Metzler kennt sich da wesentlich besser aus, sie hat da eine gewisse Expertise, informiert sich ständig und baut gerade ein Netzwerk auf, um da wirkliche Hilfe zu schaffen für Frauen, die die Abtreibungspille genommen haben und danach merken, dass sie die Abtreibung doch nicht wollen und das gerne wieder aufhalten würden. Es gibt eben eine Möglichkeit wie das gelingen kann, wenn man sehr schnell handelt und deswegen habe ich die Natalie gefragt, ob sie zu diesem Interview bereit wäre. Hallo Natalie.

 

Frau Bayer-Metzler: Hallo Barbara. Herzlichen Dank für die Einladung und die Möglichkeit über dieses spannende und wichtige Thema der Abtreibungspillen-Umkehrbehandlung mit dir zu sprechen.

 

Barbara: Vielleicht könntest du dich kurz vorstellen, wer bist du und wie bist du dazu gekommen, wie bist du auf dieses Thema gestoßen, denn so leicht ist das ja gar nicht zu finden und viele wissen auch gar nicht, dass es das gibt, selbst viele Ärzte wissen das nicht.

 

Frau Bayer-Metzler: Ich wohne in Vorarlberg und arbeite seit gut zehn Jahren in der Schwangeren-Konfliktberatung. Ich mache also Beratungen über das Telefon mit Schwangeren, die in einem Schwangerschaftskonflikt sind und bei denen das Thema Abtreibung im Raum steht. Vor ca. drei Jahren kam dann immer mehr das Thema, dass Frauen Rat suchend angerufen haben mit der Frage: „Was kann ich tun? Ich habe die Abtreibungspille heute oder gestern genommen in der Absicht eine Abtreibung einzuleiten und möchte nun aber diesen Vorgang stoppen.“ Und da habe ich mir dann gedacht, diesen Frauen muss man doch unbedingt helfen, es muss ja wirklich eine verzweifelte Situation sein und da habe ich gemerkt, dass viele – auch Ärzte – einfach nicht wissen, was man da tun kann und deshalb habe ich mich dann informiert, viel recherchiert, telefoniert und herausgefunden, dass in Amerika ein gewisser Dr. Delgado bereits seit Jahren sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Er hat dann ein Abtreibungspillenumkehrprogramm entwickelt und ich habe dann Ärzte gesucht und mit denen machen wir das jetzt in ähnlicher Weise. Also das war so mein Einstieg in diese Thematik.

 

Barbara: Du hast mir ja auch im Vorfeld zu diesem Thema geschrieben, dass das ja auch bei einigen Frauen im deutschsprachigen Raum auch schon wirklich funktioniert hat.

 

Frau Bayer-Metzler: Genau. Also im Februar 2018 habe ich einen Blogbeitrag veröffentlicht, dass es eine Möglichkeit gibt für Hilfe suchende Frauen, die die Abtreibungspille stoppen wollen. Ich war total verblüfft, es kamen sofort Anrufe! Ich würde sagen, neun von zehn Anrufe kommen aus Deutschland, ein Anruf kommt aus Österreich und ganz selten kommt einer aus der Schweiz. Das sind dann Frauen, die bereits die Abtreibungspille geschluckt haben, sagen, sie fühlen sich wie tot und die dann fragen, ob es noch eine Möglichkeit gäbe, dieses Kind doch zu behalten. Ich dokumentiere natürlich alles und ich würde sagen, wir haben mittlerweile so an die 50 Fälle, die genau wegen diesem Thema angerufen haben. Es gibt mittlerweile etliche überlebende Kinder. Man muss dazu sagen, dass nicht alle Frauen die Abtreibungspille geschluckt haben wie es jetzt in Österreich erlaubt ist bis zur neunten Schwangerschaftswoche, sondern es gibt auch zum Beispiel Frauen, die eine niedrigere Dosis dieser Abtreibungspille genommen haben, zur Vorbereitung für eine chirurgische Abtreibung. In diesen Fällen konnten ausnahmslos alle Kinder gerettet werden dank dieser Umkehrbehandlungstherapie mit dem Progesteron. Wir geben diesen Frauen in hohen Dosen Progesteron. "Wir“ heißt, wir haben ein interdisziplinäres Team, bestehend aus  verschiedenen Ärzten und diese verordnen dann das Progesteron. Wir haben ein Umkehrbehandlungsschema – wie viel müssen die Frauen genau nehmen. Die ersten Tage und Wochen sind natürlich kritisch, in der Zeit bin ich laufend in Kontakt mit der schwangeren Frau und schaue wie es ihr geht, was sie braucht, verträgt sie die hohe Dosierung des Progesterons und bin einfach da für Fragen und bin natürlich auch immer in Kontakt mit unseren Spezialisten. Die Ärzte, mit denen wir zusammenarbeiten, sind natürlich leider nicht im ganzen deutschen Sprachraum vertreten. Wir haben zum Beispiel sehr gute Ärzte in Wien, aber natürlich gibt es ganze Bundesländer, wo wir leider noch keine Ärzte haben. Dann suche ich mir spontan einen Arzt, versuche mit ihm zu sprechen und ihn zu bitten, dass er hier hilft. Das hat bisher sehr gut funktioniert, wenn ich also auf die Ärzte direkt zugehe in der Gegend wo die schwangere Frau herkommt oder woher sie anruft.

 

Barbara: In welchen Regionen gibt es denn jetzt schon Ärzte, die das grundsätzlich machen? Du hast gesagt in Wien hast du schon welche.

 

Frau Bayer-Metzler: Genau, in Wien und in Kärnten sind sehr gute Ärzte, die sich auch einfach mit dem Thema befasst haben. Aber wie gesagt: Die meisten Frauen, die anrufen, kommen eben nicht aus Österreich, sondern aus Deutschland, denn es gibt zu diesem Thema einfach kaum Hilfsmöglichkeiten. Ich frage natürlich auch nach, wie die Frauen uns gefunden haben. Grundsätzlich fragen die meisten zuerst bei dem Arzt, der ihnen die Abtreibungsmedikation gegeben hat, die sagen eigentlich ohne Ausnahme, es gäbe keinen Weg zurück, sie müssen nun die Abtreibung fortsetzen, da kann man nichts machen. Sie suchen dann im Internet weiter und finden dann meine Helpline und rufen dann an. Ich arbeite auch mit Beraterinnen zusammen, die die Leitung auch besetzen können, wenn ich einmal nicht da bin und dann hat es eigentlich bis jetzt immer geklappt, dass wir dann Ärzte vor Ort gefunden haben. Ich schaue dann immer wo ein katholisches Krankenhaus ist, wo könnte man fragen, es muss natürlich immer ein Haus sein, das keine Abtreibungen durchführt und da habe ich dann schon sehr schöne Gespräche gehabt mit Gynäkologen, die diese Umkehrbehandlung nicht kennen, sind aber glücklicherweise doch sehr oft bereit zu helfen. Diese Ärzte lassen sich dann auch etwas sagen, sie fragen dann nach wie hoch sie das dosieren sollen und in der Folge werden dann die Frauen auch von uns weiter begleitet. Das Wichtigste ist, dass die Frau möglichst rasch, möglichst in derselben Stunde noch das Progesteron rezeptiert bekommt und sofort mit der Umkehrbehandlungstherapie beginnt. Also da geht es wirklich um jede Stunde.

 

Barbara: Wenn man zu lange wartet, dann ist es natürlich nicht mehr so leicht möglich.

 

Frau Bayer-Metzler: Es kommt darauf an. Man muss bei der Thematik wissen, dass die Abtreibung sich aus 2 Komponenten zusammensetzt. Das erste ist, dass die Frau den Wirkstoff Mifepriston einnimmt, das geschieht normalerweise beim Arzt, der die Abtreibungspille der Frau gibt. Sie nimmt es unter seiner Aufsicht ein, dann geht sie nach Hause und bekommt dann von ihm ein Präparat mit, das künstliche Wehen auslöst. Es handelt sich dabei um Prostaglandin, ein Hormonpräparat, das sie erst zwei Tage später einnimmt. In diesem Zeitfenster, zwischen Einnahme der Abtreibungspille und dem Wehen auslösenden Medikament, gibt es doch eine erheblich große Chance, dass das Kind gerettet wird. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 64%, es kommt nämlich ganz stark auf die Beschaffenheit der Rezeptoren an, die die Frau hat. Nicht jede Frau reagiert gleich stark auf das Mifepriston.

 

Barbara: Es kommt aber auch darauf an, wie weit die Schwangerschaft schon ist.

 

Frau Bayer-Metzler: Genau, das wollte ich auch gerade sagen. Je weiter die Schwangerschaft ist, also achte, neunte Schwangerschaftswoche, wir hatten auch schon Fälle in der zehnten Schwangerschaftswoche oder auch wenn es eine Frau als Vorbereitung auf die chirurgische Abtreibung nimmt beispielsweise in der zwölften Schwangerschaftswoche. In diesen Fällen ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind überlebt, höher, als wenn es jetzt in der dritten oder vierten Schwangerschaftswoche eingenommen wird. Wenn natürlich die Frau sofort realisiert, dass es ein Fehler war, sie möchte die Abtreibungspille stoppen und sie versucht das zu erbrechen, dann ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass es gelingt, noch höher, weil ca. nach der ersten und fünften Stunde nach der Einnahme der Wirkspiegel des Mifepristons den Plafond im Blut erreicht hat. Das heißt aber nicht, dass es keine Chance mehr gibt. Wir haben auch Fälle von Frauen, die haben erst nach zwanzig Stunden mit der Umkehrbehandlung begonnen und bei denen es trotzdem geglückt ist. Es gibt Frauen, die beginnen nach drei Stunden und es ist leider gestorben. Also das ist wie gesagt von Frau zu Frau und Fall zu Fall unterschiedlich. Deshalb geben wir eine ordentliche Dosis des Progesterons, das auch keine großen nennenswerten Nebenwirkungen hat, da es ja im normalen weiblichen Organismus vorkommt und in der Schwangerschaft sowieso. Das Progesteron ist nichts anderes als das Schwangerschaftserhaltungshormon, das wir dann eben hochdosiert geben, um dieses Mifepriston von den Rezeptoren zu verdrängen.

 

Barbara: Soweit ich weiß, greift das Mifepriston ja nicht das Kind an, sondern geht ja auf die Plazenta. Es geht sozusagen darum, die Nährstoffversorgung zu kappen und das Kind sozusagen im Mutterleib auszuhungern, damit es abstirbt. Was auch oft eine Angst von Frauen ist, dass sie damit zwar die Abtreibung rückgängig machen, das Kind aber einen Schaden davonträgt. Wie ist da eure Erfahrung bisher.

 

Frau Bayer-Metzler: Es ist tatsächlich so – und das bestätigt auch Dr. Delgado aus Amerika, dass die Abtreibungspille die Plazenta angreift und nicht das Kind. Es geht hier wirklich um das Alles oder Nichts- Prinzip, entweder überlebt das Kind oder es stirbt. Es gibt also keine halbtoten Kinder, sondern entweder überlebt das Kind und dann hat es also auch keine Beeinträchtigung. Er macht auch eine Studie dazu. Von den 700 Kindern, die durch die Umkehrmethode gerettet werden konnte, trat bei sieben eine Behinderung auf. Allerdings konnte bei diesen sieben Kindern nachgewiesen werden, dass diese Behinderungen nicht mit der Abtreibungspille und auch nicht mit der Umkehrbehandlung in einem Zusammenhang gestanden sind. Wenn das Kind die Abtreibungspille überlebt und zum Beispiel schon vorher einen Gendefekt hatte, dann hat es den natürlich auch nachher. Es kann aber nicht sein, dass ein Kind irgendeinen Gendefekt auf Grund der Abtreibungspille oder auf Grund der Umkehrbehandlung bekommt. Ich war im Juni auf einem Kongress in Basel, bei dem Professor Delgado zu Gynäkologen gesprochen hatte und ich durfte da eben auch dabei sein und da wurde mir das wieder bestätigt.

 

Von den 700 überlebenden Kindern hatten eben nur sieben eine Behinderung, wobei diese Behinderungen in keinerlei Verbindung mit dieser versuchten Abtreibung standen. Ich meine, was möchte man noch mehr. Das ist Bestätigung genug, dass wir einfach an dieser Arbeit dranbleiben und alles geben sollen, um das Leben dieser Kinder zu retten.

 

Barbara: Genau und damit natürlich auch das der Mütter, die natürlich sonst danach einen sehr langen Leidensweg haben.

 

Frau Bayer-Metzler: Das ist ein wesentliches Stichwort. Gerade am Beginn unserer Tätigkeit haben wir das Progesteron vielleicht ein bisschen zu zaghaft verabreicht. Bei höherer Dosierung ist die Rate der Kinder, die überlebt haben, erfreulicherweise deutlich gestiegen und ich bemerke und bekomme das auch immer wieder rückgemeldet, auch wenn trotz aller Bemühungen das Kind nicht überlebt, sind die Frauen sehr dankbar. Ich bin mit diesen Frauen oft noch schriftlich im Kontakt und sie sind immer unendlich dankbar, auch wenn das Kind vielleicht gestorben ist, weil sie sagen, wir waren die einzigen, die ihnen in dieser verzweifelten Situation geholfen haben. Ich sage den Frauen immer, es ist ein Versuch und wir können nicht garantieren, dass es gelingt.
Ich merke aber, dass die Frauen, die zumindest ab dem Zeitpunkt, wo sie realisieren, dass es ein Fehler ist, alles versuchen, um das Kind zu retten, sich in der Aufarbeitung des Abtreibungstraumas leichter tun. Das gibt mir auch immer wieder Ansporn aktiv zu sein und weiter zu machen, auch wenn ich manchmal vielleicht eine kleine Entmutigungsphase habe. Wenn ich sehe, die Frau hat sich total bemüht und alles nach Schema gemacht, sie hat sich zum Beispiel wirklich in der Nacht noch den Wecker gestellt, um das Progesteron einzunehmen und das Kind ist aber trotzdem leider gestorben.

 

Barbara: Das war nun der erste Teil des Interviews mit Natalie Bayer-Metzler zur Rückgangsmethode. Nächste Woche werdet ihr dann den zweiten Teil lesen.

 

Für heute wünsche ich euch nun einen wunderschönen Abend, eine gute Nacht und einen wunderschönen Morgen!

 

 

 

Eure Rosa Blume

 

 

 

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