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Fetal- und Kinderchirurgie - Interview mit Dr. Pokall 3

Dr. Stefan Pokall
Dr. Stefan Pokall

 Liebe Leserinnen und Leser!

 

Heute geht es weiter mit dem 3. und letzten Teil des Interviews mit Dr. Stefan Pokall!

 

 

Dr. Stefan Pokall: Der Begriff „Player“ kommt aus dem Management, man möchte alles managen, man möchte alles kontrollieren, Erfolg und Prozess kontrollieren. Das ist ja auch gut und in vielen Bereichen hat es die Medizin ja auch nötig, aber man das große Ganze dabei nicht vergessen. Mir sind Primari und Chefärzte ohne MBA manchmal lieber.

 

Tara: Ja, das glaube ich. Gibt es das? Gibt es Ärzte, die auch einen MBA haben?

 

Dr. Stefan Pokall: Natürlich, es gibt immer mehr davon, weil es teilweise auch gefordert wird, auch von den entsprechenden Besetzungskommissionen. Aber das ist auch der Fehler, wenn man mal nach Amerika guckt, dann sieht man auch, wie es anders geht, dort gibt es in den jeweiligen Abteilungen „Business Director“, aber das ist eine eigene Person und die ist getrennt vom medizinischen Chef der Abteilung. Das ist auch vernünftig so. Nur hier kriegt man das nicht hin, weil wie immer dafür natürlich die Gelder nicht lockergemacht werden oder einfach nicht da sind. Aber wir werden ja sehen.

 

Tara: Darf ich noch einmal eine persönliche Frage an Sie stellen? Sie haben wie viele Kinder?

 

Dr. Stefan Pokall: Wir haben sieben Kinder.

 

Tara: Wow, da haben Sie sicher viel zu tun. Sie haben ja gesagt, Sie sind mit drei nach Amerika eingereist und sind mit fünf zurückgekommen und seitdem haben Sie noch einmal zwei dazu bekommen. In welchem Altersabstand sind Ihre Kinder?

 

Dr. Stefan Pokall: Die älteste ist jugendlich und das Jüngste ist gerade in den Kindergarten gekommen.

 

Tara: Und seit wie vielen Jahren wohnen Sie als Familie in Österreich?

 

Dr. Stefan Pokall: Also wir sind noch ein paar Mal umgezogen, aber seit 2012 sind wir wieder hier.

 

Tara: Wieder, das heißt, Sie waren vorher schon mal hier? Jetzt nochmal ganz zum Anfang zurück, wie sind Sie überhaupt nach Österreich gekommen, also von Deutschland nach Österreich?

 

Dr. Stefan Pokall: Ich habe ja in Jena zu studieren begonnen, das ist eine wunderbare ostdeutsche Studentenstadt, mit großartigem klassischen Hintergrund: Schiller und Goethe haben hier auch gelebt. Ich wollte dann eigentlich wechseln, eigentlich wollte ich nach München und dann habe ich meine Frau kennengelernt. Sie war zu dem Zeitpunkt Architekturstudentin in Wien und das war für mich Anlass zu sagen, ok, dann wechsle ich eben nach Wien. Ich wusste damals noch nicht, was mich medizinisch erwarten würde. Nein, so schlimm war es nicht, aber zu der Zeit, 2000 war die medizinische Universität in Wien noch eine Massenuni ohne Zugangsbeschränkungen, mit Warteschlangen und so weiter, aber ich habe mich halt irgendwie durchgewurschtelt.

 

Wir hatten dann praktisch zwei Jahre Verlobungszeit hier in Wien und auch eine sehr intensive Zeit in der katholischen Hochschulgemeinde. Wir haben dann eben geheiratet und sind dann noch kurz in Wien geblieben, dann aber nach Graz und dort habe ich dann angefangen chirurgisch zu arbeiten. Ich habe zuerst noch eine Doktorarbeit geschrieben und bin dann eben in die kinderchirurgische Facharzt-Ausbildung gegangen. Das hat uns dann auch maßgeblich ein bisschen durch die Welt geführt, weil wir gesagt haben, dass wir offen für viele Kinder sind, wir möchten aber schauen wie es kommt. Wir haben uns nicht hingesetzt und gesagt eine XY-Zahl wollen wir erreichen und es war auch so, dass meine Frau sehr gerne schwanger war und auch nicht diese typischen Schwangeren-Probleme hatte. Es war ihr praktisch nie schlecht, natürlich wurde es dann auch irgendwann mühsam, aber es war grundsätzlich nie eine Zeit, wogegen sie eine Abwehr hatte. Wir haben das dann einfach so genommen wie es kommt und sind halt auch überzeugte Christen und haben dann auch meistens wo wir eben waren auch ein Kind bekommen und ja, es steht schon in Markus 9, 37 „Wer ein Kind aufnimmt, nimmt mich auf“. Das rechtfertigt dann auch alle Kritiken in der Hinsicht, die man dann immer wieder zu hören bekommt.

 

Natürlich sind diese Kinder alle gewollt, geplant sind sie nicht, weil Menschen kann man nicht planen. Jedes Mal, wenn man versucht hat, Menschen zu planen, ist es schief gelaufen in der Geschichte und so wird es heute auch laufen mit der in vitro Fertilisation, aber das sagt ja keiner.

 

Aber gut, Sie wollten wissen, wie das so ist und wie wir das gemacht haben. Wir wollten immer alles zusammen machen und dann habe ich gesagt, geh mal alleine nach Amerika und mach dort deine Karriere. Das haben wir nicht gemacht, sondern wir sind zusammen hin, es ist auch keine so geradlinige Karriere geworden, aber wir haben diese gemeinsamen sehr intensiv erlebt und würden sie auch nicht missen wollen, insbesondere die Zeit in der amerikanischen Gesellschaft, natürlich in unserem Peer, der mehr oder weniger amerikanisch-katholisch geprägt war. Das war eine wunderbare, wertvolle Zeit, weil man diesen Katholizismus, wie es ihn dort gibt, hier gar nicht mehr sieht, außer vielleicht in St. Rochus im dritten Bezirk. Es ist selten geworden, dass Katholizismus so gelebt wird, wie wir es dort in zumindest zwei Gemeinden des mittleren Westens erlebt haben und der uns natürlich auch beflügelt hat, eine christliche Familie auch zu leben, was immer wieder natürlich auch eine Herausforderung ist. Aber wir sind immer noch sehr dankbar, dass unsere Kinder und insbesondere unsere Älteste, diese Dinge auch mit eingeatmet hat, die aus einem christlichen Menschenbild herauskommen und wir mit Stolz feststellen können, dass sie teilweise ähnliche Diskussionen führt wie wir sie halt auf anderer Ebene führen. Wir sind sehr dankbar dafür aber ja, es gibt keine Garantie.

 

Tara: Wenn Sie mit sieben Kindern auf die Straße gehen, dann bekommen Sie sicher öfters mal giftige Blicke oder haben Sie das so erfahren?

 

Dr. Stefan Pokall: Ja, nicht unbedingt giftige Blicke, sondern teilweise auch lustige Kommentare. Die meisten Leute sind ja nicht so frech, dass sie dann gleich was sagen, das ist eher selten der Fall. Es ist eher im Berufsleben so, dass dann so die typischen Fragen kommen für die man sich dann so die Antworten zurechtlegt. Ich kann es schön langsam nicht mehr hören, aber es kommt so drauf an. Wir haben hier in Österreich ja auch das Phänomen der Zuwanderung von Kollektivgesellschaften aus dem Nahen Osten, die uns eigentlich sehr deutlich machen, wie es anders auch gehen kann. So sind die Leute sowieso damit konfrontiert, sie sind dann nur entsprechend verwundert, wenn das keine Kopftuch-tragende Frau ist oder die Person dunkelhäutig ist, um das mal ein bisschen plakativ zu formulieren. Aber wir sind da relativ unverhohlen und haben den Eindruck, dass das manchmal sogar gut ankommt, wenn man viele Kinder hat. Man darf das auch nicht pauschalisieren, es ist immer ein sehr individuelles Geschehen so eine Familie und ich bin dann ehrlich gesagt schon manchmal ein bisschen allergisch, wenn dann Blicke kommen oder irgendwelche Tuscheleien, weil das geht eigentlich niemanden etwas an, warum wir wie viele Kinder haben.

 

Es kommen dann immer so komische Fragen, so nach dem Motto, Ihre arme Frau. Es wird teilweise so geredet, dass man ja immer noch so lebt wie vor den 50er Jahren und das ist schade, aber es macht auch deutlich, wo die Leute herkommen mit ihren Fragen und wenn man dann tiefer ins Gespräch kommt, dann entdeckt man das ja auch. Die Leute sind oft verschreckt und insbesondere auch die Frauen, weil Kind und Beruf und solche Sachen, das ist ja hierzulande ein deutlicher Widerspruch. Wenn man mal über den eigenen Tellerrand hinausschaut, anderswo ist das völlig anders.

 

Tara: Sagen wir mal den westlichen Tellerrand. Ich denke, Europa und Amerika sind sich eigentlich ähnlich, dass die Frau tendenziell eher dazu geschoben wird, berufstätig zu werden und Karriere vor Familie und Kinder zu setzen.

 

Dr. Stefan Pokall: Ja, wobei in Amerika die Mutterschaft an sich schon einen sehr hohen Stellenwert hat, zumindest höher als hier.

 

Tara: Wo haben Sie in Amerika gelebt?

 

Dr. Stefan Pokall: Also gut, es kommt natürlich darauf an, wo man lebt. Wir waren im mittleren Westen. Wenn Sie natürlich an die Ostküste gehen und in Boston Ihren typischen PhD machen oder eine Zeit lang dort forschen und vielleicht sogar alleine dort leben oder nur mit ihrem Partner, dann erleben Sie natürlich die 1:1- Gesellschaft, wie sie auch hier vorhanden ist. Das ist schon klar, aber Amerika ist eben größer und Amerika ist freier und dementsprechend finden Sie dort auch für jede Art der Lebensweise eine Lobby. Das ist hier nicht so. Die Leute, die so leben wie wir, sind hier doch deutlich in der Minderheit und das ist in Amerika eben nicht so. Wenn man ein paar Millionen Einwohner mehr hat, dann sind eben auch diese Leute stärker vertreten und das ist deutlich spürbar.

 

Tara: Ich habe nämlich an der Westküste viele Jahre gelebt und da ist es genau das gleiche und da deshalb frage ich auch, wo Sie gelebt haben.

 

Dr. Stefan Pokall: Sehr richtig und ich habe ja auch hinzugefügt, dass wir in einem katholisch-christlichen Bereich gelebt haben. Das gleiche kann Ihnen aber auch bei den Baptisten oder Mormonen so passieren oder einfach nur ganz einfach bei den Evangelikalen und die sind aber eine nicht überhörbare Stimme in Amerika. Jetzt werden sie natürlich gleich in die Trump-Ecke geschoben von den Medien, was aber natürlich so nicht stimmt.

 

Tara: Also ich bedanke mich, für dieses sehr interessante Gespräch und freue mich sehr, dass Sie heute gekommen sind und hoffe, dass wir auch weiter in Kontakt bleiben. Liebe Zuhörer, ich wünsche Ihnen heute auch noch einen sehr schönen Tag, freue mich, wenn Sie das nächste Mal wieder dabei sind und bis zum nächsten Mal.

 

Euch einen wunderschönen Morgen, Abend oder eine gute Nacht!

Eure Rosa Blume 

 

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